Zero- und Firstyear-Meeting

Jetzt ist das Zero- und Firstyear-Meeting schon eine Woche her. Es waren 5 unglaublich schöne und interessante Tage, die ich nicht hätte verpassen wollen.

Eigentlich ging das Treffen für uns Zeroyears erst am Donnerstag los, doch weil Waldmünchen so schlecht zu erreichen war und ich auf 17 Stunden Zugfahrt gut verzichten konnte, hat mein Vater mich mit dem Auto schon am Mittwoch dorthin gebracht. Als wir in der Jugendherberge ankamen waren schon fast alle Firstyears da, und weil keiner von ihnen wusste, dass ich als Zeroyear schon einen Tag früher kommen würde und keiner mich kannte, war die Situation am Anfang etwas komisch, denn keiner von ihnen konnte mich einordnen. Allerdings war Lena da, die einzige, die ich kannte und die, der ich dieses Abenteuer erst verdanke. Sie hat mich gleich erkannt, umarmt und mitgezogen zu einer Gruppe Firtstyears. Zufälligerweise war das auch die Gruppe in der sich Nina befand, eine meiner Secondyears. Sie hat sich total gefreut mich kennenzulernen und mir später viel über das UWC in Costa Rica erzählt.

Nachdem ich mich vorgestellt hatte und alle die Überraschung überwunden hatten, dass ich ihr erster Firstyear war und die Tatsache, dass sie nun zu Secondyears wurden, real wurde, haben sie mich schnell aufgenommen, alle meine Fragen beantwortet und mich überall miteingebunden. Natürlich hatten sie ein Programm, was neben Erlebnissen austauschen und Spaß haben, auch ernstere Themen enthielt. So wurden in kleineren Gruppen später über Probleme am College gesprochen, was schwierig war und ist, wie man mit solchen Situationen am besten umgeht und was sie gerne alles gewusst hätten, bevor sie ans College gekommen sind. Ich konnte nirgendwo wirklich mitreden, denn das worüber sie sprachen steht mir noch bevor, trotzdem war es für mich unglaublich interessant dort zuzuhören. Am Ende des Tages, als wir gemeinsam an einem Lagerfeuer an einem See saßen, Chips teilten und den mutigsten beim Baden im See zusahen, kreisten erste Zweifel und Ängste in meinem Kopf, ich war nicht darauf vorbereiten gewesen so viel über die negativen Seiten der UWCs zu reden bzw. über Probleme und Situationen die dort auftreten können.

Am nächsten Tag bereiteten wir vormittags die Ankunft meine Co-Years vor, ein Moment dem ich seit ich die Zusage für das UWC in Costa Rica erhalten hatte, entgegen gesehnt habe. Ich wollte unbedingt all die Leute wiedersehen, die mit mir gemeinsam ihre UWC-Experience begonnen haben und mit denen ich, auf dem Aww in Kassel, schon ein so tolles Wochenende erlebt hatte und all die anderen, neuen, Gesichter kennenlernen.

Am Anfang war die Situation, das Aufeinandertreffen von Zero- und Firtsyears, etwas befremdlich, es gab viele Umarmungen, trotzdem war es zunächst eher ein vorsichtiges „beschnuppern“. Um das Ganze zu entspannen hatte sich das UWC-Network, die Veranstalter, überlegt uns alle durch Lose einen Namen zuzuteilen. Unsere Aufgabe war es dann die Person ausfindig zu machen und über sie einen Steckbrief anzufertigen. Dabei habe ich dann festgestellt, dass ich absolut keine Pinguine zeichnen kann, was man also nicht alles so an einem Wochenende über sich selbst lernt…

Abends gab es dann Speed-Dating, um uns besser kennenzulernen. Zwischen Fragen wie, wenn du 1 Mio. Euro hättest, was würdest du damit machen, wenn du dir einen Superkraft aussuchen könntest, welche wäre es und warum, wen würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen, es geht nur einer, welches ist das letzte Buch das du vollständig gelesen hast und, wenn du eine Küchenmaschine wärst, welche wäre es, hatten wir ganz viel Spaß. Ausgelassener Stimmung konnten wir dann das traurige Halbfinale der EM 2016, Deutschland gegen Frankreich, sehen.

Den Freitag haben wir fast vollständig an einer nahegelegenen See mit Picknick, Gitarrenmusik und Gesang, interessanten Gesprächen und Schwimmen verbracht. Es war ein super schöner Tag und gehört mit zu meinen Lieblingserinnerungen an dieses Wochenende. Abends als wir wieder da waren, haben uns (Zeroyears) die Firstyears in kleinen Gruppen verschiedene Sketche vorgespielt und versucht uns auf diese Weise das Leben am College näherzubringen und uns alles mit auf den Weg zu geben was wir so brauchen könnten. Es gab auch viele negative Aspekte die uns gezeigt wurden, aus dem einfachen Grund, dass man auf diese immer am unvorbereitetsten ist und viele (mich eingeschlossen) oft gar nicht so sehr an sie gedacht haben. Hinterher hatten wir immer etwas Zeit mit der jeweiligen Gruppe über die Probleme zu reden, bekamen verschiedene Lösungsvorschläge und den Rat nicht die Lösungen anderer zu kopieren, sondern unsere eigenen Lösungen zu finden.

Am Samstag, unser letzter gemeinsamer Tag, gab es morgens verschiedene Vorträge in denen uns das deutsche Stiftungsbüro und das UWC-Network e.V. und deren Arbeit vorgestellt wurden, sowie einer über das IB und die deutsche Anerkennung, denn dort lagen die meisten Unsicherheiten bei uns Zeroyears. Nachmittags gab es die Möglichkeit zu „socializen“ in kleineren Gruppen haben wir viel geredet, über Dinge die nichts mit UWC zu tun hatten und uns einfach nur interessiert haben. Ich war bei einer Diskussion wo es darum ging ob der Mensch autonom ist oder doch von äußeren Umständen beeinflusst wird und danach ging es darum ob man Intoleranz tolerieren kann, dafür mussten wir aber erstmal tolerieren, akzeptieren und respektieren definieren. Es waren unglaublich spannende Diskussionen, die auch später am Tag noch fortgeführt wurden. Danach sollten wir uns Zeit für uns nehmen, uns zurückziehen, über UWC nachdenken, was es für uns bedeutet und Briefe an uns selbst schreiben, die wir dann nächstes Jahr wiederbekommen. Da hat man erst gemerkt wie schön ein Moment der Ruhe sein kann, es war schön auf diese Weise über die schon geschehenen Ereignisse und über die, die noch kommen werden zu reflektieren. Jeder konnte sich seinen Ängsten und Sorgen bewusst werden und wenn er wollte danach noch mit anderen drüber reden. Wir haben festgestellt, dass wir viele von ihnen teilen und immer gab es jemanden dem es genauso geht. Den größten Rat den die Firstyears uns gegeben haben war: Redet, redet über eure Probleme, Ängste und Sorgen, ihr seid damit nicht alleine und jeder, dem ihr euch anvertraut, wird euch helfen und unterstützen.

Um das Zero- und Firtsyear-Meeting ausklingen zu lassen, haben wir abends gegrillt und dann, als es dunkel war, eine Fackelwanderung zum See gemacht. Dort habe wir dann ein Lagerfeuer angezündet und das letzte Beisammensein genossen. Die Atmosphäre war wunderschön. Es war eine sternenklare Nacht und, als sich eine Gruppe von uns etwas vom Lagerfeuer entfernt hat, konnten wir sogar die Milchstraße, den Mars und Sternschnuppen sehen. Wir haben uns einfach auf den Boden gelegt und in den Himmel geguckt. Von weitem konnten wir die Stimmen der anderen am Lagerfeuer, von einer Gitarre begleitet, singen hören.

Während des Wochenendes haben wir uns zwischendurch immer wieder in sogenannten „Home Groups“ getroffen. Es waren immer die gleichen. Dort haben wir über unsere Erwartungen für das Wochenende gesprochen, was wir uns wünschen und, am Ende, ob sie erfüllt worden sin und was man verbessern kann. Icebreaker, verschieden Kennlern- und „Actionspiele“ haben noch einmal zusätzlich viel Spaß gebracht und die Stimmung aufgelockert und uns nach den kurzen Nächten wieder mit Energie versorgt. Eines der schönsten Sachen, die nebenher liefen, war das Briefeschreiben. Für jeden wurde ein Briefumschlag aufgehängt, der dann im Laufe des Wochenendes von kleinen Zettelchen gefüllt wurde. Jeder der jemandem noch etwas sagen wollte konnte sich Papier und Stift nehmen und ein paar nette Worte aufschreiben. Am Sonntag bevor wir abgereist sind, hat sich jeder dann seinen Umschlag geholt und konnte so, auf der Rückfahrt, die vielen verschiedenen, lieben Briefe lesen. Danke, für all die lieben Worte die ich in meinem Umschlag gefunden habe ♥

Das Zero- und Firstyear-Meeting war super schön und wichtig. Ich habe viel erfahren, sowohl über UWC und IB allgemein, als auch über das College in Costa Rica spezifisch. Viele meiner Fragen konnten beantwortet werden und auch wenn ich viel erfahren habe, was mir etwas Angst macht und wir viel über Probleme und schwierige Zeiten und Situationen am College gesprochen haben, hat das ganze Wochenende UWC, für mich, realer und greifbarer gemacht. Es hat jetzt nicht mehr den utopischen Nachklang den es vorher für mich hatte und ich bin umso gespannter es nun selbst erleben zu können.

Running out of Time

Meine Gedanken kreisen immer mehr um Costa Rica. Was muss ich mitnehmen? Was brauche ich noch? Was muss ich noch alles machen bevor es losgeht? Gibt es  noch einen freien Tag, den ich dazu nutzen kann, meine immer länger werdende To-Do-Liste abzuarbeiten?

Die Zeit vergeht immer schneller. Noch 44 Tage bis ich in den Flieger steige. 1056 Stunden bis ich mich verabschieden muss und etwas Neues, Aufregendes beginnt. 63360 Minuten von der ich jede einzelne mit den Menschen verbringen möchte die mir am Wichtigsten sind.

Nächste Woche, vom 7. Juli bis zum 10. Juli ist das Zero- und Firstyear-Meeting, dieses Mal in Waldmünchen. Dort treffen sich dann nahezu der vollständige aktuelle UWC Jahrgang und der Neue, also meiner, allerdings nur die deutschen, nicht international. Dort werde ich dann auch meine Secondyears aus Costa Rica kennenlernen und hoffentlich schon viel über das Leben dort erfahren. Ich bin schon gespannt und freue mich auf die 4 Tage, die bestimmt mega interessant und lustig werden. Ich werde dann später berichten 🙂

Es ist nicht leicht alles was noch so ansteht unter einen Hut zu kriegen. Es gibt noch so viel, was ich noch machen möchte und machen muss, dass ich mich ernsthaft Frage warum der Tag nur 24 Stunden hat, wenn 27 doch viel praktischer wären. Da hätte sich das Universum ja bitte mal vorher Gedanken drum machen können!