Sonne, Pool und Crêpes

Am Sonntag, den 24.01.17, hatten wir Coco Girls unser zweites richtiges Outing. Wir sind alle zusammen zum Haus der Eltern von Mauricio, dem Direktor der Schule, gefahren. Wobei Haus etwas untertrieben ist, es war mehr eine Villa mit einem riiiiiiesen Grundstück.

Es war ein unglaublich warmer und sonniger Tag und wir sind alle schön Braun geworden (mitten im Januar!!!). Wir haben uns in der Sonne gesonnt, im Schatten gerekelt, an Steinen gelehnt gelesen und unter einer Palme voller Kokosnüsse geschlafen. Und wenn wir dann doch mal etwas mehr Action wollten, sind wir in den großen Pool gehüpft.

Mittags kam Felix dann vorbei, der Ehemann von Nela, der RC von Cahuita, und hat uns mit köstlichen Crêpes bekocht, süß und salzig. Damit war der Tag dann auch vollkommen und hätte besser nicht sein können.

Auch wenn ich (an diesem Tag) erst seit ein einhalb Wochen wieder hier bin, fühlt es sich so an als wäre ich nie weggewesen und Weihnachten Zuhause scheint schon wieder so lange her zu sein… Wie ist das möglich bzw. warum hat niemand das zeitaufressende Monster unter meinem Bett entfernt?!

Womens Week – Wir sind stark!!!

Vom 16.01 bis 22.01 war es endlich soweit, die ersehnte Womens Week war da!!  Dies ist eine unglaublich interessante Woche in der Feminismus eine große Rolle spielt und es vor allem und Geschlechtergleichheit geht aber auch darum darauf stolz zu sein eine Frau zu sein. Die ganze Woche über waren viele Dinge geplant, einige Highlights waren die Ted Talks am Mittwoch, das Bodypainting am Donnerstag und die Vagina und Penis Monologe am Freitag. Es war unglaublich spannend, ermutigend und irgendwie auch befreiend.

Natürlich war es nicht für jeden einfach über Themen wie Sex, Menstruation oder Geschlechtsorgane zu reden, aber trotzdem hat sich jeder in irgendeiner Weise beteiligt und ist, meines Empfinden nachs, am Ende der Woche etwas offener für diese heiklen Themen geworden.

Ich meinerseits habe war in drei verschiedenen, sehr interessanten Ted Talks, die zum Teil von Schülern aber auch von Gastsprechern gehalten wurden. Es ging darum ob Frauen auch Pornos gucken (ja, tun sie), um Genitalverstümmelung bei Frauen und warum Männer schwul sind im Zusammenhang mit Machismus.

Am Donnerstag wurde es künstlerisch. Den ganzen Abend verbrachten wir Mädchen in der Residenz Hermosa und bemalten uns gegenseitig unsere Körper um zu zeigen wie schön er ist und das wir stolz auf ihn sind. Er gehört ganz uns und wir sind es die darüber entscheiden was mit ihm passiert, wir sagen ja oder nein und niemand anderes!

Während der ganzen Woche aber haben schon einige zuvor ausgewählte Personen, hier auf dem Campus, Proben gehabt. Jeder von ihnen hat einen Vagina oder Penis Monolog zugeteilt bekommen, je nachdem welcher am besten zu der Person gepasst hat. Diese Monologe haben schon eine lange Tradition an der Schule hier, kommen aber eigentlich von einer amerikanischen Schriftstellerin die 1996 rund 200 Frauen aller Altersklassen interviewt hat und daraus eine Episodensammlung aus Monologen zusammengestellt hat. Diese berichten, mal poetisch, mal ernst, mal humoristisch über die erotische Fantasien von Frauen, deren Leidenschaften und Begehren, aber auch Enttäuschungen, sexuellen Missbrauch und Gewalt. Von den Monologen, die bei uns an diesem Abend vorgeführt wurden, waren einige Originale, andere wiederum sind von Schülern hier an der Schule geschrieben worden. Es war ein sehr bewegender Abend, der viele sehr ernste und oft vergessene oder unausgesprochene Probleme und Themen angeschnitten hat. Um allerdings den Männern auch die Möglichkeit zu geben sich auszudrücken gab es auch Penis Monologe, die jedoch mehr oder weniger eine Nebensache waren. Diese Monologe waren zum Teil sehr intim, sind aber trotzdem unglaublich feinfühlig und genau richtig aufgeführt worden. Es war der perfekte Abschluss für diese unglaubliche Woche.

Naja, es war fast der Abschluss, denn am Samstag waren auf allen Kontinenten dieser Welt, in vielen verschiedenen Ländern Protestmärsche für die Rechte von Frauen und so auch hier in Costa Rica, in San José. Eine Gruppe von Schülern ist hingefahren (ich hab es leider nicht geschafft…) und hat mit viel Leidenschaft und der Unterstützung von weltweit Millionen von Menschen für das gestanden, was sich so viele wünschen. Sie haben es sogar so weit gebracht, dass sie es mit ihren Plakaten in die New York Times geschafft haben (ja, UWCCR ist in der NYT). Und damit war diese ganz besondere Woche nun auch wirklich vorbei.

Ich möchte diesen Beitrag mit einem kleinen Zitat von Eve Ensler, der Schöpferin der Vagina-Monologe, beenden, das, wie ich finde, den Nagel ziemlich auf den Kopf trifft:

»Vagina.« Jetzt habe ich es ausgesprochen. Und nochmal.[…] Ich spreche es aus, weil es sich nicht gehört es auszusprechen. Ich spreche es aus, weil es ein unsichtbares Wort ist, ein Wort, das Angst, Verlegenheit, Verachtung und Ekel hervorruft. Ich spreche es aus, weil ich glaube, dass wir das, was wir nicht aussprechen, auch nicht sehen, kennen oder erinnern. Was wir nicht aussprechen, wird ein Geheimnis, und Geheimnisse erzeugen oft Scham, Furcht und Legenden. Ich spreche es aus, weil ich mich eines Tages nicht mehr beschämt und schuldig, sondern gut fühlen will, wenn ich es ausspreche. […] »Vagina.« Später, nachdem du das Wort zum hundertsten oder tausendsten Mal ausgesprochen hast, wird dir klar, dass es DEIN Wort ist, DEIN Körper, DEIN wichtigster Ort.

Zurück nach Costa Rica – Phase 2 beginnt

Nach einem nicht ganz leichten Abschied saß ich dann also wieder im Flugzeug auf dem Weg zurück nach Costa Rica. Die Vorfreude war groß, aber getrübt von einer Heimwehwolke, die, obwohl ich noch nicht mal mehr das Land verlassen hatte, schon über mir schwebte. Erst durch dieses nach Hause kommen habe ich so richtig gemerkt, was ich alles vermisst habe, wie wichtig mir meine Familie ist und wie schwer es ist ohne sie zu Leben…

Als ich dann endlich hier in Costa Rica ankam wurde ich mega herzlich empfangen und mein Zimmer war voller Menschen die mich begrüßen wollten. Es war super schön und auch wenn ich sehr kaputt war haben wir alle noch eine ganze Weile gequatscht und den Moment genossen bevor unser IB-Life wieder losgeht.

Der ganze Trubel hat geholfen die Heimwehwolke zu vertreiben, auch wenn sie immer wieder in stillen Momenten angekrochen kommt, aber ich schätze das ist Liebe…